›› Sie befinden sich hier: Startseite ›› Forschung ›› Projekte Kanada


Unsere Forschungsprojekte im St. Lorenz-Golf, Kanada

1. Projekt: Foto-Identifikation von Bartenwalen

Blue Whale Photo ID

Photo ID
Projektleitung: Dany Zbinden

Die Foto-Identifikation ist eine relativ einfache, aber zuverlässige Methode, um Wale individuell zu identifizieren. Hierzu wird das vorliegende Foto eines bestimmten Wales mit einem bestehenden Katalog individueller Fotos verglichen ("matching"), um so den betreffenden Wal zu identifizieren, oder, falls dieses Tier noch nicht in der Datenbank vorkommt, den Katalog um das betreffende Individuum zu erweitern.

Für die Identifikation benutzen wir sowohl Pigmentmuster (Blauwale, Buckelwale) als auch Grösse und Form der Rückenflosse (Finnwale, Zwergwale). Je nach Walart werden dabei unterschiedliche Körperpartien fotographiert, d.h. bei Blauwalen die Flanken und der Rücken, bei Buckelwalen die Unterseite der Fluke und bei Zwerg- und Finnwalen hauptsächlich die Rückenflosse.

Solche Foto-Kataloge von Walen sind meist ausgesprochene Langzeitprojekte, die nicht nur sehr interessante Einblicke in die Habitatnutzung und das Sozialverhalten (z.B. Paarbildung) dieser Tiere erlauben, sondern auch Aufschluss über Migrationsrouten und Populationsgrösse geben können.

2. Projekt: Funktionelle Morphologie und Hydrodynamik

Blue whale surfacing
Brian laser camera
Leitung: Brian Kot (Doktorarbeit, University of California at Los Angeles, UCLA)

Brian studiert die funktionelle Morphologie und die Hydro-dynamik verschiedener Bartenwale im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Er interessiert sich dabei besonders für die Bewegungsphysik aquatischer Körperformen, um so die spezialisierte Funktion bestimmter Körperteile und die Bewegung der Meeressäuger im Medium Wasser besser zu verstehen.

Im St. Lorenz dokumentiert Brian die verschiedenen Fangmanöver der Bartenwale mittels Video-Aufnahmen, um dadurch eine quantitative Analyse der dabei involvierten physikalischen Prozesse zu ermöglichen und so neue Erkenntnisse über diese Fangmanöver zu gewinnen. Die Zielarten dieser Studie sind Blau-, Finn-, Buckel- und Zwergwale.

3. Projekt: "Abhörwanzen" für die Walforschung

Pop-up

deploying popup

Lucia Di Iorio
Leitung: Lucia Di Iorio (Doktorarbeit, Uni Zürich und Cornell Univ., USA)

Bei diesem Projekt werden die akustischen Signale von Blau-, Finn- und Zwergwalen mit Hilfe von am Meeresgrund verankerten "Abhörwanzen" aufgezeichnet. Dieses System besteht aus mindestens drei "Horch-Bojen" (genannt "Pop-ups"), die während 24 Stunden pro Tag und bis zu 9 Monaten sämtliche von Walen und Menschen erzeugten Signale aufnehmen.

Mit dieser Technologie werden aber nicht nur die akustischen Signale der Wale automatisch und über grosse Distanzen aufgezeichnet. Der entscheidende Vorteil dieses Systems ist, dass es die geographische Position der vokalisierenden Tiere präzise aufzeichnet.

Während der akustischen Datenaufnahme wird gleichzeitig so häufig als möglich auch das Sozial- und Nahrungsverhalten der Wale an der Oberfläche durch Beobachtungen auf See registriert.

Die Datenaufnahme für das Popup-Projekt ist bereits abgeschlossen - Lucia arbeitet gegenwärtig an der Auswertung der Daten und den Publikationen.

4. Projekt: Das akustische Repertoire der Belugas

Beluga surfacing 

Laura Clément w/ parabolic mike
Leitung: Laura Clément (Uni Lausanne, CH)

Laura studiert Biologie an der Universität Lausanne und gehört seit 2006 zum Team des Mériscope, wo sie bisher vor allem an den Photo-ID-Katalogen für Blauwale, Zwergwale und Belugas gearbeitet hat. Im Sommer 2007 startet Laura ein neues Projekt zur Erfassung des akustischen Repertoires der Belugas im St. Lorenz-Ästuar.

Belugas haben eine komplexe Sozialstruktur und unterhalten enge soziale Beziehungen zwischen Gruppenmitgliedern. Entsprechend vielfältig ist ihr Repertoire an akustischen Signalen, die über grosse Distanzen und teilweise sogar über dem Wasser gehört werden können. Deswegen werden die Belugas auch häufig als "Kanarienvögel des Meeres" bezeichnet.

Die Belugas im St. Lorenz-Golf bilden im Sommer getrennt-geschlechtliche Gruppen, wobei die Weibchen mit den Jungtieren meist flachere Gewässer aufsuchen. Laura untersucht insbesondere die Vokalisationen einer Gruppe von Männchen, die den Namen "Downstream Boys" trägt, weil diese Tiere häufig in einem Gebiet weiter stromabwärts als ihre Artgenossen anzutreffen sind.

5. Projekt: Auf "Stimmenfang" bei Furchenwalen im St. Lorenz-Golf

omnidirectional hydrophone

Minke lunge-feeding

research zodiac
Leitung des Projektes: Dany Zbinden (Doktorarbeit, Universität Basel, CH)

Bei diesem Projekt sind nicht mehrere Hydrophone am Meeresgrund positioniert, sondern es wird jeweils ein Hydrophon (= wasserdichtes Mikrophon) in der Nähe fressender Wale vom Boot aus in 15-30m Wassertiefe installiert, um so die Vokalisationen der Wale beim Beutefang in möglichst guter Qualität aufzunehmen. Die Zielart in diesem Projekt sind die Zwergwale, die beim Beutefang die unterschiedlichsten Fangstrategien anwenden, aber es werden auch Finn- und Blauwale beim sogenannten "surface feeding" aufgenommen. Parallel zu den Tonaufnahmen wird ebenfalls das Verhalten der jagenden bzw. fressenden Wale protokolliert.

Das Ziel in diesem Projekt ist es, die im Nahrungskontext produzierten akustischen Signale der drei Furchenwalarten zu charakterisieren und, wo möglich, eine biologische Funktion abzuleiten. Besonders interessant sind z.B. die sehr stereotypen "Trommel"-Signale der Zwergwale (sog. "thump trains"), die in den seltenen Fällen aufgenommen werden können, wenn sich die sonst solitären Zwergwale vorübergehend in Gruppen formieren, um so effizienter Fischschwärme bejagen zu können.

Diese Methode mit dem Oberflächenhydrophon ist komplementär zur Methode mit den "Popups": mit einem einzelnen Hydrophon können zwar die vokalisierenden Wale nicht geortet und damit auch keine Wanderbewegungen abgeleitet werden, dafür werden die Signale noch in der Oberflächenschicht und häufig sehr nahe bei den Tieren aufgenommen, also bevor sie bei der Schallausbreitung durch verschiedene Wasserschichten physikalisch verändert werden (Reflexion, Absorption, Streuung).

6. Projekt: GIS-Analyse der biologischen und ozeanographischen Daten 1997-2006

Plot blue whales 2003 

Dan Zeh
Leitung: Dan Zeh (Antioch Graduate School, New Hampshire, USA)

Im Rahmen seines Biologie-Studiums analysiert Dan Zeh alle in unserer Datenbank registrierten Wal-Sichtungen der Jahre 1997-2006 mit Hilfe des GIS ("Global Information System"). Dabei werden biologische und ozeanographische Datenbanken verknüpft und die Beziehungen zwischen der räumlich-zeitlichen Verteilung der Wale und den verschiedenen Umweltfaktoren untersucht.

Aus dem GIS-Projekt können u.a. Informationen zur Habitatnutzung der einzelnen Walarten abgeleitet werden. Von besonderem Interesse ist dabei auch die Frage, ob ozeanographische Parameter (Salinität, Temperatur, Strömungen) einen Einfluss auf die Habitatnutzung der Wale haben (via Nahrungskette), wobei die CTD-Daten aus Brian's Projekt in das GIS-Projekt einfliessen.