Meine Mischtechnik setzt sich zusammen aus Zeichnen (mit Kohle, Graphit, Tusche, oder Pastel), Malen (Acryl, Seidenaquarelle, Enkaustik) und verschiedenen Druckverfahren (Linoldruck, photographischer und polychromatischer Siebdruck, Collagraphie, Transferdruck). Eingesetzt auf verschiedensten Stoff- und Papierarten wird diese dann mit Hand- und Maschienenstickerei als Zeichnungselement verbunden. Besonders fasziniert bin ich vom Zusammenspiel und den Wechselwirkungen von verschiedenen Oberflächenbeschaffenheiten und Transparenzen.
Was als Abenteuer im Rahmen einer medizinischen Mission begann, entwickelte sich zu einer Faszination und Liebe für ein ganz spezielles Land und seine Bewohner. Im April 2001 bot sich mir die Gelegenheit, eine meiner kanadischen Berufskolleginnen auf eine ihrer kinderärztlichen Missionen in den hohen Norden zu begleiten. Ich hatte das Glück, ein extrem abgelegenes Stück Natur und seine Bewohner, die Inuit, mitten im Winter kennenzulernen. In den daraufkommenden Monaten und Jahren folgten dann weitere Reisen, z.T. im Rahmen der medizinischen Versorgung, immer mehr aber auch im Sinne kunsttherapeutischer Hilfe und künstlerischer Entdeckungsreisen.
Bei (fast) jeder Temperatur und Witterung versuchte ich, so viel wie möglich draussen zu malen und zu skizzieren oder photographisches Material für weitere Werke zu sammeln. Diese Aktivitäten führten mich mit vielen Einheimischen zusammen, alle auf ihre Weise selbst Künstler: Steinhauer, Schnitzer, Zeichner, Drucker, Weber, Geschichtenerzähler usw., alle aber auf ihre Art auch Ueberlebenskünstler.
Jede einzelnde Reise, jede einzelne Begegnung mit diesen so freundlichen und kreativen Menschen bereicherten mein Leben. Mit meinen Bildern möchte ich meine Mitmenschen an diesem Reichtum teilhaben lassen.
Auf meinen Nordreisen in den letzten Jahren drängten sich mir die negativen Einflüsse der Menscheit auf die Natur immer deutlicher auf. Eine innere Traurigkeit und Enttäuschung über das Mass der Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeit und Lieblosigkeit der menschlichen Rasse im Umgang mit unserer Umwelt macht sich in zunehmendem Masse breit. Mit meinen Bildern möchte ich einerseits versuchen, an die vergängliche Schönheit unserer Mutter Erde zu erinnern, und andererseits meine Mitmenschen zu ermuntern, wieder eine aktive Beziehung zur Natur aufzubauen.
Aufgrund eines Erlebnisses mit Buckelwalen vor der Disko-Insel in Grönland beschloss ich, mich näher mit den Walen, insbesondere den grossen Bartenwalen, zu beschäftigen. Während einer zweiwöchigen Exkursion im Walforschungszentrum “Mériscope” in Portneuf-sur-Mer (Provinz Quebec, Kanada) durfte ich diesen Riesen nicht nur persönlich mehrere Male fast Auge in Auge begegnen, sondern auch viel Wissenschaftliches über sie erfahren. Mit jeder Begegnung und zunehmendem Wissen stieg meine Bewunderung und Achtung für diese wunderbaren Tiere. Immer mehr fühlte ich mich berührt von einem grossen, sie noch immer umgebenden Geheimnis – einem Geheimnis, mit dem unsere menschliche Existenz, und letztendlich diejenige unseres gesamten Planeten, verknüpft sein dürfte.
In seinem Buch, “Wenn die Wale fortziehen”, sagt Juri Rytchëu ”Solange es ein Geheimnis gibt, wird der menschliche Geist und Verstand arbeiten” – dem möchte ich hinzufügen “solange wird auch die Kreativität lebendig sein.”
Ruth Luginbühl–Oelhafen Toronto, März 2008 
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